Datum: 19. Juni 2008 Temperatur: 23 - 27° C
Wetter: Sonne, Gewitter, Regen Wind: S - SW, dann NW 25 - 35 kn

Mit dem Vollmond dreht der verflixte SE Wind auf NW. Juhui!
Früh morgens ist Tagwache - los geht es ohne Frühstück zur Anlegestelle der Grossschifffahrt in Dubrovnik. Wer weiss vielleicht haben wir Platz und die Beamten erst noch Zeit für uns?
In 17 Minuten sind wir ausgecheckt ein "Papiermaraton" in verschiedene Gebäude, im Crewlisten Büro funktioniert der Fotokopierer nicht, also schnell eine Kopie von Hand schreiben, Permit zum Segeln abstempeln und am Schluss noch die Passkontrolle.... 7 Beamte kümmern sich um uns, denn in wenigen Minuten wird ein Kreuzfahrtschiff einlaufen und wir müssen den Platz räumen.
Und schon stechen wir in die aufgewühlte See. Segel setzen - mit 7 kn Fahrt flitzen wir Richtung Italien. Herrlich! Medea tanzt total ausgelassen in den Wellen. Ja, das Warten hat sich gelohnt!
Delfine und kleine Meeresschildkröten begleiten uns - es ist traumhaft.
Einzig die schwimmenden Petflaschen erinnern uns daran, dass ab und zu Menschen hier vorbei kommen.
Eine riesige, endlose Weite übersät von weissen Wellenkämmen, die in der Sonne glitzern umgibt uns.

Umplanen

Kurz nach Sonnenuntergang steigt der Vollmond auf. Die Wellen verwandeln sich in farbige Hügel die immer höher werden und gurgelnd unter dem Schiff vorbei rauschen. Auch der Wind nimmt immer mehr an Stärke zu. Bevor ich mich hinlege - reffen wir die Segel (Segelfläche verkleinern). Werner ist vorne beim Mast, als gerade eine Megawelle Medea überspühlt. Zum Glück ist er angebunden im "Geriatriekorb", das sind die 2 Mastkörbe wo man sich anbindet. Nichts passiert ausser pudel nass. Durch die Lüftungen spritzt Wasser ins Bootsinnere.... wenigstens sind die Fenster dicht!!!

Bei diesem heftigen Wind ist Schlafen kein Thema mehr. Wie auf einer Achterbahn keucht Medea auf die Wellenkämme und "surft" in einem Riesentempo hinunter - die chaotischen Wellenrichtungen verstärken sich immer mehr.

Den Hafen von Otranto anlaufen und zuwarten bis sich der Sturm etwas gelegt hat. Mit 35 kn Wind (63 km) zielen wir in den Hafen. Natürlich sind wir nicht die Einzigen, die Schutz suchen - Fischer-, Motorboote und Yachten kämpfen um einen Platz zum anlegen. Am Zollquai werfen wir die Leinen, doch schon werden wir vom Beamten aufgefordert den Platz zu räumen.

Also zurück ins schäumende Meer und weiter nach Süden segeln. Bis wir das nächste Cap umrunden, fühlen wir uns wie in einem offenen U-Boot... dann wird es langsam etwas ruhiger. Vielleicht sollten wir endlich etwas essen?

Was für einen Empfang.....

Am südlichsten Punkt des Absatzstiefels, in Santa Maria di Leuca, finden wir einen ruhigen sehr sympatischen Liegeplatz in der kleinen Marina. Gut sind wir die 3 Stunden weiter gesegelt. Mit Musik werden wir empfangen....

Etwas Ordnung in das Chaos bringen - eine lange Dusche und ein 12-stündiger Schlaf - und die ganzen Strapazen sind vergessen - wir sind wieder glücklich und zufrieden.....

Mussolini Treppe

Am nächsten Tag steigen wir die lange Mussolini Treppe hoch zur Kirche Santurio Santa Maria de Finibus - ein traumhaft schöner Rundblick auf das Meer und den Hafen.

In Santa Maria de Leuca steht unser Wegweiser - gehen wir Richtung Osten, Griechenland und Türkei oder Richtung Westen, Frankreich, Spanien.... Wir haben uns für die Griechischen Inseln und die Türkei entschlossen.
Nun werden wir die nächsten Tage mit dem Umplanen beschäftigt sein.